Mumbai-Sightseeing und Tag 1 des indischen Hochzeitsabenteuers

Mittlerweile sind wir schon wieder einen Monat zurück in Deutschland und schon wieder voll im deutschen Alltag angekommen. Irgendwie fühlt sich unser Urlaub in Indien für uns schon wieder ziemlich weit weg an – umso glücklicher sind wir, dass wir unsere spannende und erlebnisreiche Reise sowohl hier im Blog als auch auf vielen Fotos dokumentiert haben. Neulich haben wir guten Freunden von uns eine kleine Auswahl der Fotos gezeigt (klein waren aber immer noch um die 1400 Fotos, muss ich zugeben – aber die beiden haben sich tapfer geschlagen ;)) und es war so schön, das Erlebte nochmal Revue passieren zu lassen. Wir Glückspilze haben schon echt coole Dinge auf dem Subkontinent erlebt!

Bevor ich in Bericht vom ersten Tag unseres Abenteuers indische Hochzeit einsteige, hier nochmal ein kurzer Überblick über unsere zurückgelegte Route. Nach einem kurzen Aufenthalt in der Hauptstadt Delhi (Bericht 1 und 2) ging es für uns mit dem Zug weiter nach Agra, um den Taj Mahal zu besuchen (Bericht 3 und 4) und dann ebenfalls per Bahn weiter nach Jaipur (Bericht 5 und 6). Die nächste Zugfahrt führte uns nach Jodhpur, wo es uns so gut gefiel, dass wir spontan um eine weitere Nacht verlängerten (Bericht 7, 8 und 9). Von dort aus ging es mit dem Bus für einen kurzen Zwischenstopp nach Udaipur (Bericht 10), von wo aus es per Flugzeug in die größte Stadt Indiens nach Mumbai ging (Bericht 11 und 12), wo wir zur Hochzeit meiner Freundin Sakhee eingeladen waren.

Reiseroute durch Indien

Unsere Reiseroute durch Indien

Der 30. Januar war nicht nur unser dritter Tag in der indischen Riesenmetropole Mumbai, sondern auch der erste Tag des Abenteuers „Indische Hochzeit“. Auf dieses Highlight hatten wir uns schon die ganze Zeit ganz besonders gefreut und am Abend sollte es endlich mit dem Sangeet eingeläutet werden! Am Tag zuvor hatten wir ein kleines Vermögen ausgegeben, um uns mit angemessener Kleidung für die vier Tage der Hochzeit auszustatten. Da meine Kleider aber noch geändert werden mussten, wurden sie mir erst an diesem Morgen pünktlich gemeinsam mit unserem Frühstücks-Omelette vorbeigebracht. Da Felix die Kleider noch nicht gesehen hatte, gab es für ihn gleich erst mal eine kleine Modenschau, quasi Tini Indian Style. ;) Wo genau die Kleider nun geändert wurden war mir allerdings nicht so richtig ersichtlich. Besonders an der Hüfte waren sie viel zu weit und ich hätte bestimmt noch ein zweites Mal rein gepasst. Aber naja, vielleicht sollten die Kleider in Indien einfach etwas „fluffiger“ sitzen und Zeit, um sie nochmal ändern zu lassen, hatte ich ja sowieso nicht.

Doch da der Sangeet erst am Abend stattfand, haben wir den Vormittag für eine kleine Stadttour durch Mumbai genutzt. Man ist ja schließlich nicht jeden Tag in der größten Metropole Indiens und hat einen eigenen Fahrer, der einem auf Zuruf den ganzen Tag zur Verfügung steht. Ein Luxus, der zwar echt nett ist, an den wir uns aber während unseres Aufenthalts nie so richtig gewöhnen konnten. Irgendwie hatten wir immer ein bisschen ein schlechtes Gewissen, dass da jemand den den ganzen Tag einfach nur darauf wartet, dass wir mit unseren Fingern schnipsen… Da unser personal driver Allam schon am Tag davor stolz verkündet hatte, dass er super Stadtführungen macht und uns versprach, uns die wichtigsten Orte in Mumbai zu zeigen, warfen wir nur einen kurzen Blick in unseren Lonely Planet Reiseführer und verließen uns dann ganz auf unseren Fahrer und selbsternannten Mumbai-Guide.

Allam war sofort ganz in seinem Element und sobald wir losfuhren, stand sein Mund nicht mehr still. Im Sekundentakt zeigte er auf Gebäude, an denen wir vorbeifuhren und erzählte uns mehr über deren Bedeutungen. Um ehrlich zu sein hatte ich von Mumbai hauptsächlich ein Bild mit einer Mischung aus Wolkenkratzern und endlosen Slums im Kopf, aber ziemlich schnell belehrte mich Allam eines besseren. Es gibt total viele wunderschöne Häuser aus der Zeit, in der Indien noch britische Kolonie war und beim Anblick einiger fühlte man sich wirklich, als wäre man geradewegs auf die britische Insel katapultiert worden. Halt nur mit schönerem Wetter. Da ging mir als England-Liebhaberin natürlich das Herz auf.

Die erste Station war einer der geschäftigsten und größten Bahnhöfe der Welt, das Chhatrapati Shivaji Terminus. Wem das zu kompliziert ist: bis 1996 hieß der Bahnhof noch Victoria Terminus und wird eigentlich auch heute noch von allen kurz VT genannt. Dieses Riesending von einem einem Bahnhof wurde 1888 fertiggestellt und soll wohl von innen Ähnlichkeit mit der Londoner St. Pancras Station haben. Leider hatten wir für unsere Sightseeing-Tour nicht besonders viel Zeit und konnten daher keinen Blick hinein werfen. Wer den Film Slumdog Millionaire kennt (übrigens sehr empfehlenswert), wird das VT Terminal auch in diesem schon einmal gesehen haben. Ein paar Tage später sahen wir den Bahnhof auch nochmal im Dunkeln und wunderschön bunt beleuchtet. Leider konnte ich nur schnell mit dem Handy ein Foto davon einfangen, was dem beeindruckenden Anblick überhaupt nicht gerecht wird. Deswegen empfehle ich euch mal einen Blick auf die Google Bildersuche.

VT Terminal Mumbai

Als nächstes hielten wir am Gateway of India – angeblich das berühmteste Wahrzeichen Mumbais, obwohl ich ehrlich gesagt noch nie vorher etwas davon gehört hatte. Der Triumphbogen wurde Anfang des 20. Jahrhunderts als Erinnerung an den Besuch von König George dem V. und war eigentlich dafür gedacht, mit dem Schiff ankommende Passagiere aus England dort standesgemäß empfangen wurden. Aber in der Geschichte läuft ja manchmal nicht alles nach Plan. Ironischerweise verließen dann genau an diesem Ort im Februar 1948 die letzten britischen Truppen das Land. Heute legen dort nur noch kleine Schiff ab, die Touristen zur Elephanta Island bringen. Außerdem tummeln sich auf dem Platz ungefähr siebenunddrölfzig „Fotografen“, die ein unglaublich kreatives (Vorsicht, Ironie) Foto von dir mit dem Gateway of India machen und es praktischerweise auf ihrem mitgebrachten Drucker auch gleich noch ausdrucken. Really cheap das Ganze, no problem. Dennoch schlugen wir dieses verlockende Angebot aus und ließen uns auch nicht auf die teilweise sehr düster und zwielichtig aussehenden Menschen ein, die uns (natürlich ganz offizielle) Tickets für eine Bootsfahrt zur Elephanta Island verkaufen wollten. Wenn deren Boote auch nur halb so gruselig wie die Verkäufer aussehen würden, wären wir wahrscheinlich sowieso nie dort angekommen… ;)

Gateway of India

Gateway of India, Boote

Gateway of India Umgebung

Und wieder mal... Fotos!

Nachdem wir wieder zu Allam ins Auto gestiegen waren, erzählte er uns gleich erstmal, dass er bei der Polizei eine Strafe von 150 Rupien zahlen musste, weil man dort wohl nicht parken dürfe. Kaum waren wir ein paar Meter gefahren, wurde er von einem Polizist zur Verkehrskontrolle angehalten und dann außer Sichtweite vom Auto geführt. Nach etwa fünf Minuten, als wir uns gerade fragten, wo er denn bleibt, kam Allam wieder und berichtete, dass er den Polizisten jetzt einfach 40 Rupien zugesteckt hätte, um die „Kontrolle“ zu beschleunigen. Zwar seien alle seine Papiere in Ordnung gewesen, aber der Polizist wollte noch den Vorgesetzen seines Vorgesetzen holen und so zieht sich das gerne mal sehr in die Länge. Ein, zwei kleine Scheinchen bewirken da Wunder und umgerechnet 50 Cent später musste der Vorgesetzte dann plötzlich doch nicht mehr geholt werden und wir durften weiterfahren. So kann man sich auch sein Trinkgeld verdienen! ;) Allam versäumte es natürlich nicht, uns zu erzählen, dass er sowas alles aus seiner eigenen Tasche zahlen müsse und erwähnte mehr oder weniger beiläufig, dass manche seiner Kunden ihm das Geld auch wiedergeben würden. Wir taten erst einmal so, als hätten wir den Wink mit dem Zaunpfahl nicht verstanden. Wir wollten lieber erst einmal schauen, ob er auch die kommenden Tag noch so nett sein wird und entschieden uns, ihm lieber am Ende unseres Aufenthalt in Mumbai ein kleines Trinkgeld zustecken. Eins hatten wir nämlich in den letzten zwei Wochen Indien gelernt: ein bisschen Skepsis ist nie verkehrt.

Unser nächster kurzer Stopp war Marine Drive – eine lange Promenade im Süden Mumbais, die sich entlang des Meeres zieht. Hier wohnen die Schönen und Reichen, hier sind die nobelsten Hotels und es finden die abgefahrensten Hochzeiten statt. Besonders am Abend sitzen hier wohl viele Pärchen und genießen die romantische Kulisse. Wir konnten den Ausblick leider nur für ein paar Minuten genießen und sprangen dann wieder zu unserem Fahrer ins Auto, um noch mehr von dieser riesigen Stadt sehen zu können.

Marine Drive Mumbai

Marine Drive Mumbai

Als nächstes hielten wir an einem ziemlich unscheinbaren Haus inmitten eines Wohngebietes, das uns Allam als Mahatma Gandhi’s ehemaliges Wohnhaus vorstellte. Und tatsächlich: im Inneren versteckte sich über vier Etagen ein liebevoll eingerichtetes Museum über Gandhi und sein beeindruckendes Lebenswerk. Zufälligerweise waren wir genau an seinem 68. Todestag dort – am 30. Januar 1948 wurde Gandhi nämlich durch einen fanatischen Hindu erschossen. An dieser Stelle gleich noch eine Film-Empfehlung, falls ihr ihn noch nicht kennen solltet: im Film Gandhi geht es um Gandhis Leben und er wird gespielt vom fantastischen Ben Kingsley. Und falls ihr übrigens mal bei „Wer wird Millionär“ auf dem Stuhl sitzen solltet, solltet ihr wissen, dass Mahatma Gandhi in Wirklichkeit Mohandas Karamchand Gandhi hieß. Mahatma war lediglich sein sanskritischer Ehrenname und bedeutet übersetzt „große Seele“. (Sollte euch dieses Wissen zur Million führen, dann denkt doch bitte an uns, ja? :P).

Gandhi: We are all one

Mahatma Gandhi wusste auch schon vor 100 Jahren, worauf es ankommt

Brief von Gandhi an Hitler

Ein Brief von Mahatma Gandhi an Hitler

Gandhis Arbeitsraum

In diesem Raum saß Gandhi oft am Spinnrad

Bibliothek im Gandhi Haus

Hier findet man jede Menge Literatur von und über Mahatma Gandhi

Nach diesem Ausflug in diesen wichtigen Teil von Indiens Geschichte ging es direkt weiter zur nächsten Station. Unterwegs saugten wir wie immer die vielen Eindrücke auf, die wir vom Auto aus beobachten konnten. Besonders interessant war auch dieses Gefährt, das gerade seelenruhig über eine viel befahrene Kreuzung geschoben wurde. Na, könnt ihr erkennen, was das ist?

Karussell fahren auf Indisch
Ja, das ist ein Karussell – halt nur handbetrieben und mobil. Eigentlich ganz praktisch, aber geht nach einer Weile bestimmt ganz schön auf die Arme, selbst wenn nur vier kleine indische Kiddies drinne sitzen.

Als nächstes legten wir einen kurzen Zwischenstopp an einem Aussichtspunkt ein, von dem man einen schönen Blick auf die Moschee Haji Ali Dargah hatte. Sie ist etwas ins Wasser rein gebaut und kann daher nur über einen etwas längeren Weg zu Fuß erreicht werden. Auch wenn ich wirklich Lust gehabt hätte, die Moschee auch mal von Innen zu besichtigen, musste auch das aus Zeitgründen wieder ausfallen.

Moschee im Süden Mumbais

Den aus unserer Sicht besten Programmpunkt hatte sich Allam für den Schluss aufgehoben – den Dhobi Ghat, den größten Waschsalon der Welt. Hier landet jegliche Wäsche von Hotels, Krankenhäusern und anderen großen Betriebe und wird von Hand (!) gewaschen und dann in der Hitze Mumbais getrocknet. Ein steinernes Waschbecken – jedes für eine andere Farbe – reiht sich hier an das nächste. Und drumherum hängen auf langen Leinen die fertigen Wäschestücke zum trocknen. Ein faszinierendes Bild und etwas, was ich mir so ehrlich gesagt nicht hätte vorstellen können. Auch wenn wir uns gefragt haben, ob die Wäsche in der schlechten und dreckigen Luft einer indischen Großstadt überhaupt richtig sauber werden kann. Direkt nebenan fährt eine der Hauptverkehrslinien der indischen Eisenbahn, die täglich eine riesige Anzahl von Pendlern morgens zur Arbeit in die Stadt und abends wieder zurück in die Vororte bringt. Gerade wenn ich an die Wäsche für Krankenhäuser denke und wie hygienisch das alles bei uns zu sein hat, kriegt die Deutsche in mir etwas Bauchschmerzen. ;) Aber was soll’s, es scheint ja zu funktionieren! Insgesamt arbeiten auf dem Dhobi Ghat um die 5000 Männer an über 800 Steinbecken. Die Becken gehören übrigens der Stadt und müssen gemietet werden. Mehr über diese Riesen-Wäscherei und die harte Arbeit dort gibts in diesem empfehlenswerten Artikel: Im größten Waschsalon der Welt.

Dhobi Ghat Mumbai

Dhobi Ghat Mumbai

Dhobi Ghat Mumbai

 

Nach diesen wirklich faszinierenden Eindrücken ging es für uns zurück in unser Apartment, wo wir uns für den ersten großen Abend der indischen Hochzeit hübsch machten. Während Felix nur in sein neues indisches Outfit springen musste und schon großartig aussah, versuchte ich mich bei meinen semi-langen Haaren an einer Art Hochsteckfrisur, die trotz meiner Talentfreiheit in solchen Sachen erstaunlich gut hielt und zumindest von vorne akzeptabel aussah. Bevor es losging, gab es kurz noch ein kleines „Fotoshootings“ auf dem Balkon.

Felix_Outfit

Mein Outfit an Tag Nr. 1

Allam fuhr uns dann zu den Mayfair Banquets, der Location für den ersten Hochzeitsabend. Wie erwartet war alles super chic und pompös und der große Saal war toll geschmückt. Vorne war eine Bühne aufgebaut, davor standen viele Reihen mit Stühlen mit weißen Hussen und alles war bunt beleuchtet. Meine Kamera hatte ich an diesem Abend nicht dabei, da ich mir nicht sicher war, ob das angebracht war. Im Nachhinein natürlich etwas ärgerlich, aber ein paar Handyfotos habe ich natürlich trotzdem gemacht. Aber es waren auch genug professionelle Fotografen und sogar ein Filmteam unterwegs, die die Brautleute ab da an jeden Tag begleiteten. Wir hoffen also im Nachhinein noch das ein oder andere Foto zeigen zu können.

Da wir während unserer ganzen Stadttour nichts gegessen hatten und dementsprechend hungrig waren, waren wir soooo froh, als es kurz nach unserer Ankunft erstmal kleine Häppchen gab. Neben den üblichen indischen Spezialitäten war sogar so etwas ähnliches wie Pizza war dabei und wir waren im Essens-Himmel! Der arme Kellner fühlte sich bestimmt etwas verfolgt von den verrückten Deutschen. ;) Als dann eine Sängerin auf die Bühne kam, wir setzten uns brav hin. Wann der „offizielle“ Anfang war, haben wir allerdings nicht so richtig mitbekommen. Denn egal, was auf der Bühne los war, alle haben sich lautstark unterhalten und nur die wenigsten haben dem Geschehen auf der Bühne überhaupt Beachtung geschenkt. Dass das nicht ungewöhnlich ist, haben wir auch während der nächsten Tage feststellen können. Aber so ist das eben: andere Länder, andere Sitten.

Wie schon erwähnt stand an diesem Abend der Sangeet auf dem Plan. An diesem Abend dreht sich alles um Tanz und Musik und wir erlebten quasi Bollywood in Reinkultur. Auf der Bühne wechselten sich verschiedene Sänger ab – für unsere europäischen Ohren fühlten sich die indischen Klänge doch ziemlich fremdartig an und wir können nicht wirklich behaupten, dass uns das gefallen hat. Wir hatten aber trotzdem unseren Spaß, nicht zuletzt weil einige der Sänger wie indische Versionen von Heino, Roy Black und DJ Bobo aussahen. ;) Angeblich war einer der Künstler sogar mal Gewinner bei der indischen Version von „Deutschland sucht den Superstar“ – so richtig konnte uns das zwar keiner bestätigen, aber zumindest hielt sich das Gerücht hartnäckig während des ganzen Abends und ganz ehrlich: wenn ich so sehe, wie viel Geld in diese Hochzeitsfeier so investiert wurde, würde mich das auch nicht wundern. Also, eventuell haben wir sogar eine kleine indische Berühmtheit gesehen, jaja!

Sangeet_Location

Wir waren dann jedenfalls ganz froh, als die musikalische Einlage vorbei war und der nächste Programmpunkt startete: ein Tanzwettbewerb. Viele der Freunde und Verwandten der Brautleute hatten kurze Tänze einstudiert und führten diese nacheinander vor. Wir waren total begeistert, weil wirklich jeder mitmachte: von der kleinen Kusine, über die Eltern der Brautleute und sogar die Oma – alle waren auf der Bühne zu sehen und legten sich mit ihrer Performance richtig ins Zeug und man fühlte sich wirklich wie in einem Bollywood-Film. Die Stimmung war echt der Knaller und alle klatschen und sangen mit.

Tanzen beim Sangeet

Die Familie tanzt beim Sangeet. Vorne in der Mitte: der Bräutigam Chaitu.

Und bei einer richtigen indischen Hochzeit darf das Essen natürlich nicht fehlen. Im Raum nebenan war ein riesiges Buffet voller indischer Speisen aufgebaut. Neben Unmengen von Reis gab es auch verschiedene Curries dazu, Salate, Suppen, mehr Reis, Chapati und und und. Wir haben Buffets in Indien sehr schnell lieben gelernt – nach unserer „Mästung“ in Agra waren wir froh, dass beim Buffet keiner so genau hingeschaut hat, wie viel wir von was gegessen haben. Zwar wurden wir alle paar Minuten von irgendjemandem, den wir noch nie gesehen hatten, gefragt, ob wir auch wirklich genug gegessen hätten und ob wir dieses oder jenes schon probiert hätten. Aber wenn wir eins gelernt haben: einfach immer mit ja antworten und sagen, dass es ganz toll schmeckt – dann sind alle glücklich. Und wir kommen gesättigt, aber nicht bis Oberkante Rand vollgestopft durch den Abend. ;)

Sangeet_zusammen

Und falls ihr euch jetzt fragt, ob wir uns auch in das Bollywood-Tanz-Getümmel gestürzt haben: na klar! Dass wir ums selbst tanzen nicht drumherum kommen, war uns schon von vornherein klar und irgendwann wurden wir von irgendwem auf die Tanzfläche gezogen und fanden uns in einem Kreis inmitten von tanzenden Indern wieder. Die Choreografie war eigentlich relativ einfach – ein paar Schritte nach vorne und dann mal mit den Händen nach innen und einmal nach außen geklatscht. So ging das dann Runde um Runde und wir versuchten immer händeringend, nicht aus dem Takt zu kommen. Mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg.
Dann wurden allerdings plötzlich kleine Holzstöckchen verteilt, die so ein bisschen wie Schlagzeugstöcke aus Bambus aussahen und alle fanden sich in Paaren zusammen, um eine für uns nicht ganz nachvollziehbare Kombination von Tanzschritten und gleichzeitigem Stöckchen-aneinander-Geklapper auszuführen. Das haben wir uns dann doch lieber vom Rand der Tanzfläche aus angeschaut.

Sangeet_Stöckchen

Den Rest des Abends verbrachten wir abwechselnd am Nachtisch-Buffet bei den traumhaft leckeren Brownies und mit Freunden, die ich noch von meiner Studienzeit in Bath kannte. Ein sehr spannendes Gespräch führte ich mit meinem ehemaligen Kommilitonen Siddhart. Ich hatte hier im Blog ja bereits von den indischen Hochzeitsanzeigen in den Zeitungen berichtet. Aber irgendwie konnte ich mir nicht so richtig vorstellen, dass das tatsächlich immer noch von vielen Menschen genutzt wird. Aber er erzählte mir, dass es völlig normal sei und er sei sogar (wie im übrigen viele andere Inder auch) davon überzeugt, dass arrangierte Ehen länger halten und stabiler sind als Liebes-Ehen. Das sei sogar statistisch bewiesen. Schwer vorstellbar, wenn man aus einer Kultur kommt, in der Liebe einen so zentralen Stellenwert einnimmt, wie sie es bei uns tut. Und ehrlich gesagt ist das Thema arrangierte Ehe eines, an dem ich mit meinem kulturellen Verständnis manchmal schon etwas an meine Grenzen stoße. Einfach, weil ich mir das so gar nicht vorstellen kann, mit einem Menschen verheiratet zu werden, nur weil er aus der gleichen Kaste kommt, der gleichen Religion angehört oder einen Doktor-Titel hat. Aber in Indien ist man überzeugt: die Liebe wächst mit der Zeit.

Je später der Abend wurde, desto größer wurde unser schlechtes Gewissen gegenüber unserem Fahrer Allam. Schließlich wartete er schon den ganzen Abend auf uns und müsste doch auch irgendwann mal nach Hause zu seiner Familie. Als wir diese Bedenken gegenüber unseren Freunden äußerten, wurde das abgetan. Es sei halt sein Job und er könne ja auch im Auto schlafen, wenn er wolle, no problem. In der reicheren Bevölkerungsschicht Indiens scheint es ganz normal zu sein, einen Fahrer zu haben, der – wenn es nötig ist – auch rund um die Uhr zur Stelle ist. Wir konnten uns zwar nicht so richtig mit dem Gedanken anfreunden, den armen Allam um seinen Schlaf zu bringen, aber blieben im Endeffekt doch noch bis kurz nach eins, bis sich die meisten anderen Gäste auf den Weg nach Hause machten. Vorher gab es aber noch ein Selfie mit der wunderschönen Bride-to-be Sakhee, um den erlebnisreichen ersten Tag des indischen Hochzeitsabenteuers auch nochmal fotografisch festzuhalten.

Selfie mit der Braut

Selfie mit der Braut

 

christin

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