Von bunten Elefanten und (nicht ganz so) traditioneller Handwerkskunst

Tag zwei in Jaipur verbrachten wir zwar nicht wie geplant mit unserem Taxifahrer von gestern, aber dafür seinem Vater. Oder zumindest behauptete er das. ;) Zuerst ging es zum etwas weiter entfernten Fort Amber, einer richtig tollen Burg auf einem Berg etwas nördlich von Jaipur. Unser Tuktuk-Fahrer warnte uns noch netterweise, dort keine Souvenirs zu kaufen und auch keinen Guide anzuheuern. Hatten wir eh nicht vor, aber dankten ihm trotzdem für die Warnung.  

Unterwegs gabs Kamele zu sehen

 

Wir hatten gelesen, dass man für den Aufstieg auf das Fort auf Elefanten reiten könne. Auch wenn das Vergnügen nicht ganz billig war – diese Touri-Attraktion wollten wir uns einfach gönnen! Am Eingang angekommen erwarteten uns schon eine Herde Elefanten und noch sehnlicher ihre Besitzer, die uns den Berg zum Amber Fort hinaufbringen wollten. Die Elefanten waren teilweise richtig cool mit bunten Farben angemalt – wirklich richtig schön zum anschauen!  

   

Und es war auch wirklich ein Erlebnis, so langsam nach oben geschaukelt zu werden (wenn auch nicht wirklich bequem) und den Blick auf das Tal genießen zu können, wirklich einmalig. Unser Elefantendame hieß übrigens Lakshmi, nach der hinduistischen Göttin des Glücks benannt. Während wir langsam auf Lakshmi den Berg erklommen, riefen von unten immer wieder Händler nach oben und boten uns ihre Touri-Souvenirs an: Tücher mit Elefanten, kleine Holzelefanten, Armreifen… Halt allen möglichen Schnickschnack.  

Auf dem Elefanten

Der Elefantenführer, oder wie man das nennt

 

Oben angekommen kauften wir schnell unser Eintrittsticket und flohen vor den vielen Händlern direkt in das Gelände der Fort Amber, das aus vielen verwundenen Gängen besteht, in denen man sich leicht verlaufen kann. Wenn wir uns bisher oft gefragt hatten, wo eigentlich die ganzen Touristen hin sind – hier waren sie! Fort Amber ist anscheinend ein ziemlicher Touristenmagnet (zu Recht!). Neben den alten Hammam-Bädern konnte man auch den Diwan-i-Am, den Saal für öffentliche Audienzen, und den Jai Mandir (Siegeshalle) anschauen. Letzteres war richtig schön mit kleinen Spiegeln verziert und lockte nicht wenige Leute zum Selfie-Schießen in ebendiesem. Ich war leider zu klein, deswegen habe ich heute leider kein Spiegel-Selfie für euch. ;)    

 

 
Bei blauem Himmel und Sonnenschein durchforsteten wir eine Weile die vielen Bereiche des Forts und genossen vor allem auch die wunderschöne Aussicht von dort oben auf das Tal und die umliegenden Berge. Beim Zenana, dem Hof der Frauengemächer, setzten wir uns eine Weile hin und genossen einfach nur die Wärme. Interessant zum Zenana übrigens eine Anekdote aus unserem Lonely Planet:

Die Räume sind so gestaltet, dass der Maharadscha auf seinem nächtlichen „Streifzügen“ die Zimmer seiner Frauen und Konkubinen betreten konnte, ohne dass jemand bemerkte, wen genau er besuchte – die abgetrennten Schlafräume führen auf einen gemeinsamen Flur.

Cleveres Kerlchen, dieser Maharadscha. ;) Neben uns tummelte sich auch noch eine Reisegruppe Deutscher – einer davon entsprach so sehr dem Klischee eines Deutschen, dass wir am liebsten im Boden versunken wären: Groß, fetter Bierbauch, der bald das verschwitzte Poloshirt sprengte, Goldkettchen, kurze Hose (geht in Indien gar nicht) und natürlich Socken mit Sandalen. Als er sich dann auch noch laut stöhnend zur Entspannung auf eines der Denkmäler legte, konnten wir es nicht mehr ertragen vor Fremdscham und liefen schnell weiter. Wahrscheinlich gibt’s bei ihm heute Abend im Hotel auch Schnitzel und Kartoffelsalat.   

Was für ein Blick…

 

Runter ging es dann zu Fuß und nochmals an verschiedenen Händlern vorbei, die uns eigentlich alle nur den gleichen Schnulli verkaufen wollten. Unser Tuktuk-Fahrer wartete an der vereinbarten Stelle und fuhr uns wieder rein nach Jaipur und nach einem kurzen Foto-Stop an einem Wassertempel, der nicht sonderlich spektakulär war, ging es weiter zu einer niedlichen kleinen Anlage, von der wir zwar auch nicht richtig wissen, wozu sie gut war, aber die drei Höfe waren wirklich schön gestaltet und gaben ein paar hübsche Fotomotive ab.    

Vertrauensselig und zufrieden wie wir bisher mit ihm waren, schlug Mr. Tuktuk uns vor, uns noch bei einer traditionellen Stofffärberei vorbeizufahren. Hier hätten wahrscheinlich schon die Alarmglocken klingeln müssen, aber bisher waren wir mit seinen Tips gut gefahren und so dachten wir: Warum nicht? Teil eins war dann auch wirklich interessant, uns wurde nämlich erklärt, wie in traditioneller Weise in Indien Stoff gefärbt wurde und heute zum Teil auch noch wird und uns das auch am Beispiel gezeigt. Die Holzstempel für die Muster werden handgefertigt und dann in Farbe aus Pflanzen getunkt (grün kommt z.B. vom Spinat, rot von der Roten Beete usw.). Dann wird das Muster auf den Stoff gedrückt. Mit einer nächsten Form, die exakt aufgesetzt werden muss, folgt dann eine nächste Farbe, dann die nächste usw., bis dann das Muster fertig ist. Dann wird das fertige Tuch in Salzwasser getaucht, damit die Farbe haltbar wird. Plötzlich verfärbten sich die Farben, wie ihr auf den folgenden Bildern sehen könnt. Ich bezweifle, dass da nur Salzwasser drin war, das könnte doch die Farben nicht umfärben, oder? Das fertige Tuch durften wir natürlich als „Geschenk des Hauses“ behalten.             

Dass nach dieser spannenden Vorführung ein Shop-Besuch bevorstand, war uns natürlich klar. Auch wenn man es sich tief im Inneren wünscht, die machen das ja auch nicht aus Nächstenliebe. Aber die ganze Prozedur war dann doch geschickter eingefädelt als erwartet und plötzlich befanden wir uns inklusive Getränken inmitten einer Verkaufsshow. Nach und nach wurden verschiedene Decken vor uns ausgebreitet und Preise genannt usw. Angeblich waren alle Stoffe handbedruckt – ob das stimmt, werden wir wohl nie erfahren…  

Let the Show begin

 

Wir fanden einen Stoff auch tatsächlich sehr schön und da wir bei unserer riesigen Bettdecke und unseren länglichen Kopfkissen zu Hause immer keine (bezahlbaren) Bezüge finden können, waren wir plötzlich der Überzeugung, dass man sich ja hier einen nähen lassen könnte. Kurz und gut: wir kauften das gute Stück inkl. Kopfkissen für viel zu viel Geld und könnten uns jetzt dafür Ohrfeigen, dass wir wahrscheinlich überteuerte Ware gekauft haben, die wohl in Wirklichkeit nicht so gute Qualität hat – und das ohne groß zu verhandeln. Es ist echt verrückt, im Nachhinein hört sich das so dämlich an (und ist es auch), aber in dem Moment war das so gut inszeniert, dass die Alarmglocken stumm blieben. Nun können wir also auch den Punkt „in dämliche Touri-Fälle tappen“ auf unserer Liste abhaken. Das Geld ist an dieser Sache nicht mal das schlimmste – es ist halt „nur“ Geld, aber viel schlimmer ist das Gefühl, dass man sich bescheißen lassen hat. Wenigstens konnten wir dann beim Bezahlen noch einen kleinen Deal rausschlagen. Am Anfang warb er nämlich erst damit, dass man auch mit Kreditkarte zahlen könne, no problem. Am Ende sollten wir aber dann plötzlich doch bar bezahlen und das schien ihm sehr wichtig zu sein. Also nutzten wir die Gelegenheit und sagten, dass wir nur  Geld holen und bar zahlen, wenn wir noch einen Pashmina-Schal umsonst dazubekommen. Darauf wollte er sich erst nicht einlassen, aber als wir darauf bestanden, dann mit Kreditkarte zahlen zu wollen, ließ er sich auf den Deal ein. „Then we both happy – you are happy and I am happy.“ Na geht doch. Naja, wie auch immer: trotzdem wurde das Ganze wenigstens eben wie vereinbart ins Hotel geliefert und der Stoff gefällt uns immer noch sehr gut. Hoffen wir, dass der Bezug uns nicht beim ersten Waschen auseinander fällt und vielleicht ist er ja doch besser als erwartet. Wir versuchen uns einfach nicht weiter über uns zu ärgern und haben definitiv eine Lektion für uns gelernt. Wie auch damals in Thailand schon gilt wohl auch hier: „Never trust a Tuktuk driver“. Naja, unser Driver hat sich sicherlich über die Provision gefreut. Eine gute Tat am Tag und so… Und aus Fotomotiv-Sicht war die kleine Erklärung am Anfang echt richtig spannend!

 

Mittlerweile war es später geworden als geplant und wir erreichten den Hawa Mahal, den „Palast der Winde“ gerade noch kurz vor der Schließzeit. 

Der Palast der Winde

 

Auch wenn uns der Tuktuk-Driver davon abriet, hineinzugehen, weil es langweilig sei, hörten wir dieses Mal auf unser Bauchgefühl und erklommen das fünftstöckige Gebäude. Und es hat sich definitiv gelohnt! Der Hawa Mahal ist sehr schön verziert und hat an vielen Fenstern bunte Scheiben eingebaut, die farbenfrohe Muster auf die Böden warfen. Außerdem hatte man von ganz oben einen tollen Blick auf die Stadt und das bunte Treiben auf den Straßen.      

Weil wir noch nicht nach Hause wollten, aber die Sehenswürdigkeiten bereits geschlossen waren, ließen wir uns noch an einem Stoff-Bazaar absetzen, wo wir einfach ein bisschen langschlenderten. Statt einem indischen Bazaar glich das wieder eher einer einzigen Touri-Abzock Straße und an jedem Laden hieß es „Come, Sir, Mam, have a look.“ – von exotischem Flair konnte keine Rede sein. Und da wir ja heute die indische Textilwirtschaft schon mehr als genug gesponsert hatten, ließen wir uns diesmal auf keinen Deal ein, auch wenn es natürlich nur für uns immer einen very special price gab, und fuhren zurück ins Hotel. Um viele schöne und einige nicht so schöne Erfahrungen reicher, ließen wir den letzten Abend in Jaipur ausklingen. 

  

christin

One Comment

  1. Die Stoffe sind wirklich schön. Bestimmt gefallen sie euch zu hause noch besser, wenn ihr viele tolle Erlebnisse damit verbindet. Und das Geld hättet ihr am Ende eh nicht übrig.

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